Martin Scheytt: Multiple Buchgeldschöpfung

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Multiple Buchgeldschöpfung

Die multiple Buchgeldschöpfung, auch Giralgeldschöpfung genannt, wird auf Chester Arthur Phillips zurückgeführt[1]. Ein Teil der modernen Autoren (Anm. 1962!) bestreitet die Fähigkeit der Einzelbank zur multiplen Buchgeldschöpfung. Diese sei nur dem Bankensystem, dass heißt einer Mehrzahl von Banken möglich. Die Kreditschöpfungstheorie der Einzelbank setze den Gleichschritt aller Banken bei der Kreditgewährung voraus. Darunter ist zu verstehen, dass alle Banken gleichzeitig Kredite in gleicher Höhe gewähren. Nur dann sei ein Abfluss von Bargeld bei der Einzelbank zu verhindern, da keine Forderungen zwischen den Banken entstehen. Auch müsste allen Banken gleichzeitig neues Bargeld zufließen. Da diese Voraussetzungen kaum zutreffen, erscheint auch eine Buchgeldschöpfung der Einzelbank unwahrscheinlich.

Die Buchgeldschöpfung im Mehrbankensystem wird an folgendem Modell erläutert: Das Bankensystem befindet sich im Gleichgewicht, dass heißt, zwischen den Banken bestehen keine Forderungen. Keine der Banken verfügt über eine Überschussreserve.

Die erstmalige Erwähnung des Begriffes Überschussreserve setzt die vorherige Festlegung einer Reserve voraus. Diese Festlegung ist aber zwingend eine indirekte Anerkennung der Buchgeldschöpfung aus dem Nichts. Details sind im Abschnitt Kassenüberschuss aufbereitet. Als weitere Vorbedingung hat jede Bank ihre Möglichkeiten der Kreditgewährung ganz ausgeschöpft.

Anton bringt nun 10.000 €
Geldschoepfung01.png
Bargeld zur Volksbank Moosberg. Nehmen wir eine Reserve von 10% an, so kann die Volksbank Moosberg jetzt einen neuen Kredit in Höhe von 9.000 € an Beno vergeben und diesen auch bar auszahlen. 1.000 € verbleiben als Reserve im Tresor.

Beno kauft mit den 9.000 € ein Auto von Clemens. Dieser bringt die 9.000 € zur Sparkasse Kiesloch. Mit dem Überschuss von 9.000 € kann diese einen neuen Kredit in Höhe von 8.100 € gewähren und auszahlen. Dieser Vorgang setzt sich weiter fort. Das anfänglich eingezahlte Geld ist Grundlage für eine mehrfache Kreditgewährung mit abnehmender Kredithöhe. Die Tabelle zeigt die Werte der ersten Kreditvorgänge sowie auch die entstehenden Spaltensummen. Die einzelne Spalte stellt jeweils eine unendliche geometrische Reihen dar. Nach diesem Modell ist die Kreditschöpfung nur durch mehrere, aufeinander folgende Kreditakte mit mehreren Banken möglich. Begrenzt wird die Höhe der Kreditschöpfung durch das zufließende Bargeld und das Verhältnis der Kassenreserve zur maximalen Kreditsumme. Im vorliegenden Fall beträgt das Verhältnis 1:9, dass heißt aus 10.000 € Bargeldeinzahlung und damit Kassenüberschuss können 90.000 € Bankguthaben entstehen. Voraussetzung für die multiple Buchgeldschöpfung ist, dass sämtliches eingezahltes Bargeld umgehend auch als Kredit vergeben und dieser mit Bargeld ausgezahlt wird. Auch die mehrfache Einzahlung und Kreditvergabe ist Vorbedingung für die Gültigkeit dieses Modells.

Da es keine einheitlich formulierte Kreditschöpfungstheorie gibt, wird auf eine weitere Untersuchung dieser Theorie verzichtet und versucht "das fragliche Teilgebiet der Kreditwirklichkeit selbständig durchzudenken."

Seine Gedanken sind im folgenden Abschnitt zusammengefasst.


Einzelnachweise

  1. Chester Arthur Phillips: Bank Credit. A study of the principles and factors underlying advances made by banks to borrowers. Page 32 ff. The Macmillian Company, New York 1920 (Kopie Original).